Galilei, Goethe und Co. Freundschaftsbücher der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
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Parabel und Tangente

Der spätere Stadtphysikus von Nürnberg, Johann Friedrich Weiß, wurde im Sommersemester 1621 in Leipzig immatrikuliert und begab sich ab 1625 auf ausgedehnte Reisen. Zunächst führte ihn seine studentische Bildungsreise, die peregrinatio academica, an die medizinischen Fakultäten berühmter Universitäten: Er zog über Sedan nach Paris, im Jahr darauf über Amsterdam, Den Haag, Leiden, Oxford, London und Cambridge nach Löwen. Überall führte er sein Stammbuch mit und sammelte die Eintragungen der berühmtesten Wissenschaftler seiner Zeit. Nach der Promotion zum Dr. med. in Altdorf im Jahr 1629 reiste er schließlich nach Bologna, Neapel, Rom, Florenz und Venedig. Hier erhielt Weiß eine ganz besondere Widmung.


Stb 267 – Johann Friedrich Weiß (1606–1663)

Stb 267

Johann Friedrich Weiß (1606–1663)

Laufzeit: 1625–1634

Am 8. März 1629 trug sich Galileo Galilei in das Stammbuch des Mediziners Friedrich Weiß ein: Accedens non conveniam || Galileus Galileus m[anu] p[ropria] scripsi || Die 8a Martij 1629 Florentiæ. Über dem Text ist die Zeichnung einer Parabel mit zwei angedeuteten Tangenten zu sehen, welche die Parabel jedoch nicht berühren. Die Widmung ist unterschiedlichen Deutungen zugänglich. Sie könnte die Eigenschaft einer Parabel beschreiben, dass sich deren Steigung der Vertikalen nur annähert, ohne diese zu erreichen. Übersetzt man diese Sentenz als »zufällig werde ich nicht darauf kommen«, könnte sie metaphorisch auch bedeuten, dass man auf eine solche Entdeckung wie die der Parabelgestalt der Wurfbahn nicht zufällig stößt, sondern nur in harter Arbeit und systematischer Forschung.

Diese Zeichnung Galileis unterstützt die These, dass Galilei die mathematische Formel der Trajektorie (Bahnkurve) eines horizontal in Bewegung gesetzten Projektils schon lange vor der Publikation seiner ›Discorsi‹ im Jahre 1638 gekannt haben muss.

Signatur 16,9:296 – Christian Joseph Jagemann: Geschichte des Lebens und der Schriften des Galileo Galilei (1783)

Signatur 16,9:296

Christian Joseph Jagemann: Geschichte des Lebens und der Schriften des Galileo Galilei (1783)

Christian Joseph Jagemann (1735–1804), seit 1775 Verwalter der Handbibliothek Herzogin Anna Amalias in Weimar, war einer der ersten Italianisten Deutschlands. Im Jahre 1783 veröffentlichte er eine Biographie des italienischen Philosophen und Naturwissenschaftlers Galileo Galilei. Das Werk wurde »mit des Galilei Porträt« ausgestattet, dem Kupferstich einer Galilei-Büste, der dem Titelblatt als Frontispiz gegenübergestellt wurde. Das ausgestellte Exemplar des Buches stammt aus dem persönlichen Besitz der Herzogin Anna Amalia.