Galilei, Goethe und Co. Freundschaftsbücher der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
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Unvorhergesehene Begegnung

Ob akademische Bildungsreise, Kavalierstour oder Geschäftsreise – in der Frühen Neuzeit war das Stammbuch ein fast immer mitgeführter Begleiter. Es diente dazu, freundschaftliche Begegnungen festzuhalten und den Inhaber nach seiner Rückkehr in die Heimat an sie zu erinnern. Aber auch unangenehme oder gefährliche Zusammentreffen konnten darin ihren Platz finden. Im Nachhinein, wenn sie nur mehr den Rang einer Episode hatten, erinnerten sie den wohlbehalten Zurückgekehrten an den überstandenen Schrecken.


Stb 336 – Hans Christoph Voit von Wendelstein (17. Jh.)

Stb 336

Hans Christoph Voit von Wendelstein (17. Jh.)

Laufzeit: 1602–1611

Die Stationen der Reise des Nürnberger Patriziers Voit von Wendelstein, die ihn nach Venedig, Verona, Lucca, Neapel, Siena, Florenz, Pisa, Genua, Padua, wieder nach Venedig und von da nach Prag führte, lassen sich anhand der Eintragungen in seinem Stammbuch nachvollziehen. Wahrscheinlich sollte die Reise der Anbahnung nützlicher Geschäftsverbindungen dienen. Mit Sicherheit stand dieses ausgesprochen unkomfortable und sehr einseitige geschäftliche Zusammentreffen mit zwei Wegelagerern nicht auf dem Programm des Reisenden.

Als sich Hilliprandt Rainprecht Freiherr zu Glös am 19. Juli 1603 eintrug, befand sich Voit von Wendelstein bereits in Prag. Man kann davon ausgehen, dass er dem Freiherrn Hildebrand Reimbert von Glöss, seit 1597 Erbkämmerer von Tirol, dort begegnete.