Galilei, Goethe und Co. Freundschaftsbücher der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
zurck vor

Schema eines Stammbucheintrages im 17./18. Jahrhundert mit Widmungen

Die Bestandteile einer Stammbucheintragung zeigen ab Mitte des 17. Jahrhunderts ein Schema, das sich in der Folgezeit nur wenig verändert hat. Es handelt sich um reine Texteintragungen, denen das Bildelement fehlt oder separat auf der gegenüberliegenden Seite beigegeben wurde. Der Text besteht aus zwei Hauptelementen – dem freigewählten Text A einerseits und dem an feste Konventionen gebundenen Text B andererseits. In gewisser Weise erhielt sich diese formalisierte Einteilung bis hin zu den Poesiealben des 20. Jahrhunderts. Auch in ihnen befindet sich die Unterschrift des Einträgers meistens rechts unterhalb des Eintragungstextes, während Ort und Datum nach wie vor links davon ihren Platz einnehmen.


Stb 230 – Georg Paul Fürst (17. Jh.)

bewegen Sie den Mauszeiger über das Bild um zusätzliche Informationen anzuzeigen »

Stb 230

Georg Paul Fürst (17. Jh.)

Laufzeit: 1672–1674

Diese Eintragung von Johann Georg Cotta in das Stammbuch seines scheidenden Buchhandelsdieners Fürst ähnelt einem Zeugnis, folgt aber den üblichen Konventionen. Unter dem Textteil folgt die ausführliche Adressierung und Charakterisierung des Angesprochenen und die Identifikation der eigenen Person. Datierung und Lokalisierung schließen sich in diesem Fall direkt an. Links unten steht Cottas persönlicher Wahlspruch.

Stb 1004 – Friedrich Karl Büttner (1743–1822)

bewegen Sie den Mauszeiger über das Bild um zusätzliche Informationen anzuzeigen »

Stb 1004

Friedrich Karl Büttner (1743–1822)

Laufzeit: 1763–1770

Am 1. Januar 1770 – wie dem Lokalisierungs- und Datierungsfeld links unten zu entnehmen ist – trug Heinrich Julius Alex­ander von Kalb sich in Weimar in das Album des zehn Jahre älteren Büttner mit einem idyllischen Aquarell und dazu passenden Versen ein. Die rechts unter diesem Textteil stehende Adressierung und Identifikation folgt der aus der antiken Rhetorik abgeleiteten Regel, die Ich-Rede strikt zu vermeiden.

Stb 534, Blatt 1 – Prinz Bernhard von Sachsen-Weimar und Eisenach (1792–1862)

Stb 534, Blatt 1

Prinz Bernhard von Sachsen-Weimar und Eisenach (1792–1862)

Laufzeit: 1813–1815

Prinz Bernhard trat nach der Völkerschlacht bei Leipzig, nachdem die fünfte sächsische Armee zu den Verbündeten übergegangen war, wieder in den aktiven Dienst ein. Ferdinand Karl Christian Jagemann, selbst reitender Jäger im Freiwilligenkorps und später Professor der »Fürstlichen Freien Zeichenschule« in Weimar, widmete dieses Aquarell mit dem Helm Herzog Bernhards des Grosen von Sachsen Weimar dem jüngeren Kameraden.

Stb 534, Blatt 2 – Prinz Bernhard von Sachsen-Weimar und Eisenach (1792–1862)

bewegen Sie den Mauszeiger über das Bild um zusätzliche Informationen anzuzeigen »

Stb 534, Blatt 2

Prinz Bernhard von Sachsen-Weimar und Eisenach (1792–1862)

Laufzeit: 1813–1815

Ottilie von Pogwischs Text ist ein Musterbeispiel der Beredsamkeit. Indem sie zunächst die ächten deutschen Fürsten als Grundpfeiler der Freiheit und des Vaterlandes bezeichnet, dann den Prinzen als Träger eines ehrenvollen Namens zu diesen Fürsten rechnet, schließt sie mit der Formulierung als solchem weise ich ihnen ganz vorzüglich die tiefste Verehrung und Ergebenheit. Motivierung der Eintragung, Charakterisierung und Adressierung des Angesprochenen sowie Identifikation der Eintragenden sind in diesen auffordernden Sätzen vereint.