Galilei, Goethe und Co. Freundschaftsbücher der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
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Stammbuch auf Reisen: Christoph Friedrich Rincks Netzwerk

Christoph Friedrich Rinck (1757–1821), Hof- und Stadtvikar in Karlsruhe, begab sich im August 1783 auf eine Studienreise durch Deutschland und die Schweiz. Er führte auf dieser siebeneinhalb Monate währenden Reise ein Freundschaftsbuch. Unter den knapp 180 Eintragungen finden sich unter anderen berühmten Zeitgenossen die Namen von Abt Jerusalem, dem ehemaligen Erzieher Anna Amalias, von Johann Gottfried und Caroline Herder, Christoph Martin Wieland, Matthias Claudius, Daniel Chodowiecki, Karl Theodor Joseph von Eberstein, Moses Mendelssohn, Friedrich Nicolai und Johann Caspar Lavater. Die Stationen und Begegnungen hielt Rinck außerdem in einem Tagebuch fest, das mehr als hundert Jahre später auszugsweise veröffentlicht wurde. Die darin enthaltenen detaillierten Schilderungen ergänzen die knappen Eintragungen im Stammbuch.


Signatur Kt 105 – 7E – Reiseroute von Christoph Friedrich Rinck auf einer Karte aus dem Jahr 1782 ()

Signatur Kt 105 – 7E

Reiseroute von Christoph Friedrich Rinck auf einer Karte aus dem Jahr 1782

Die Karte aus dem Jahr 1782 war höchst aktuell, als Christoph Friedrich Rinck im August 1783 seine Reise in Karlsruhe antrat. Sie zeigt die deutschen Poststraßen und gibt Postlaufzeiten zwischen größeren Ortschaften in Entfernungsstunden an. Rinck selbst schreibt in seinem Tagebuch, er habe für die gesamte Reise zu Fuß, zu Pferd und mit der Kutsche insgesamt 650 Wegstunden gebraucht.

ohne Signatur – Tagebuch und Stammbuch – die Stationen der Reise von Christoph Friedrich Rinck (2012)

ohne Signatur

Tagebuch und Stammbuch – die Stationen der Reise von Christoph Friedrich Rinck (2012)

Die Reise Christoph Friedrich Rincks währte nur siebeneinhalb Monate. Aber während dieser Zeit erwähnt er Aufenthalte in 53 verschiedenen Dörfern und Städten in seinem Tagebuch. An 25 Orten erhielt er Eintragungen in sein Stammbuch von insgesamt 180 Personen, fast ausnahmslos Vertreter des kulturellen und geistigen Lebens. Die bekanntesten und für ihn wichtigsten Personen trifft er im Züricher Umkreis sowie in Sachsen und Thüringen. Im Verlaufe seiner Reise scheint allerdings der Enthusiasmus Rincks, sein Stammbuch jemandem mit der Bitte um eine Widmung vorzulegen, abgenommen zu haben. Die letzte Eintragung erhielt er bereits Ende Januar 1784, also zwei Monate vor der Rückkehr nach Karlsruhe.

Stb 641, Blatt 1 – Christoph Friedrich Rinck (1757–1821) Signatur 16,9:1968, Seite 72/73 – Tagebuch von Christoph Friedrich Rinck (1757–1821)

Stb 641, Blatt 1

Christoph Friedrich Rinck (1757–1821)

Laufzeit: 1783–1784

Obwohl Rincks Empfang bei Goethe nur knapp acht Minuten dauerte, gelang es ihm, eine der seltenen Stammbucheintragungen Goethes zu erhalten: Ein verständiger Mann ist eine theure Seele. || Sprüche Salomons. || Weimar d 10 Nov. 83 || zum Andenken || Goethe.

Signatur 16,9:1968, Seite 72/73

Tagebuch von Christoph Friedrich Rinck (1757–1821)

Laufzeit: 1783–1784

Tagebuchnotiz vom 10. November 1783, S. 72: Früh um 9 Uhr ließ ich mich bei Herrn Geheimen Rath von Göthe melden, wurde auch gleich vorgelassen. Er empfing mich höflich, doch mit der Mine eines Gnädigen [...] Er schien aber abbrechen zu wollen, denn er schwieg oder antwortete nur kurz mit einem gnädigen ia! oder nein! Ich merkte den Wink, und brach auf, da ich ongefähr ½ Viertel Stund in seiner Atmosphäre athmete. Sein Ansehen ist gar nicht einnehmend, seine Mine mehr fein und listig, als leutseelig.

Stb 641, Blatt 2 – Christoph Friedrich Rinck (1757–1821) Signatur 16,9:1968, Seite 74/75 – Tagebuch von Christoph Friedrich Rinck (1757–1821)

Stb 641, Blatt 2

Christoph Friedrich Rinck (1757–1821)

Laufzeit: 1783–1784

Eintragung von Karl Theodor Joseph von Eberstein, Erfurt, 11. November 1783: Nur zwei Dinge, Freundschaft, Liebe, können Glück dem Weisen seyn; Nur feste Wärme, reine Triebe, sind ihm Wonne ohne Pein.

Signatur 16,9:1968, Seite 74/75

Tagebuch von Christoph Friedrich Rinck (1757–1821)

Laufzeit: 1783–1784

Tagebuchnotiz vom 11. November 1783, S. 75f: ... an Herrn Baron von Eberstein ... Ein junger vortrefflicher Mann von 21–22 Jahren. ... In dem Umgange des edlen jungen Manns fühlte ich ganz das Glük, das er mit einem schönen Vers in meinem Stammbuch schilderte.

Stb 641, Blatt 3 – Christoph Friedrich Rinck (1757–1821) Signatur 16,9:1968, Seite 126/127 – Tagebuch von Christoph Friedrich Rinck (1757–1821)

Stb 641, Blatt 3

Christoph Friedrich Rinck (1757–1821)

Laufzeit: 1783–1784

Stammbucheintragung von Daniel Chodowiecki, Berlin, 18. Dezember 1783: Mit vieler Hochachtung empfiehlt sich dem Herrn Besitzer deßen ergebenster Diener.

Signatur 16,9:1968, Seite 126/127

Tagebuch von Christoph Friedrich Rinck (1757–1821)

Laufzeit: 1783–1784

Tagebuchnotiz vom 18. Dezember 1783, S. 126: Auf meiner Charte sahe ich, daß in der Gegend der berühmte Mahler und Kupferstecher Chodowiecki wohne ... Er ist zimlich bey Jahren, der Mann voll Genie, ist sehr freundschaftlich und gefällig.