Galilei, Goethe und Co. Freundschaftsbücher der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
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Schickardsche Rechenmaschine

Mit dem Astronomen Johannes Kepler stand Schickard in regem Briefkontakt. Diese Briefe werden mit Keplers Nachlass in St. Petersburg aufbewahrt. Wohl um 1935 fand der Keplerforscher Franz Hammer darin eine kleine Federzeichnung, die Schickard am 25. Februar 1624 an Kepler geschickt hatte. Schickard schreibt von einem Rechengerät, schildert genau die Funktionsweise und zeichnet es dem Freund auf. Mehr noch, er schreibt, dass er ein solches Gerät auch für Kepler habe bauen lassen, es jedoch halbfertig einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen sei. Dem Tübinger Philosophieprofessor Bruno Baron von Freytag genannt Löringhoff gelang es 1957 Aufbau und Funktionsweise des Rechengerätes anhand der Zeichnung zu verstehen. Im Auftrag der Stadt Tübingen entstand ein Modell der Schickardschen Rechenmaschine, das 1960 vorgeführt wurde. Galt bis dahin die 1642 von Blaise Pascal konstruierte Rechenmaschine als erste überhaupt, war diese Rekonstruktion eine Sensation.

Leihgeber: Dr. Bettina Baronesse von Freytag genannt Löringhoff, Tübingen


Modell – Schickardsche Rechenmaschine, Tübinger Nachbau von 1960 ()

Modell

Schickardsche Rechenmaschine, Tübinger Nachbau von 1960

Im Jahr 1623 erfand der Tübinger Professor für Hebräisch Wilhelm Schickard die erste Rechenmaschine. Es handelt sich um eine Vierspeziesmaschine; man kann also in allen vier Grundrechenarten mit ihr rechnen. Oben sieht man das mechanisch einfache Multiplikationswerk, weiter unten das Additionswerk mit der verborgenen Zehnerübertragung. Ganz unten befindet sich das Merkwerk für Zwischenergebnisse. Schickard schrieb über seine Erfindung an den Mathematiker Johannes Kepler: »Du würdest hell auflachen, wenn du da wärest und erlebtest, wie sie die Stellen links, wenn es über einen Zehner oder Hunderter weggeht, ganz von selbst erhöht, oder beim Subtrahieren ihnen etwas wegnimmt.« Schickards Leistung bestand in der Lösung der Schwierigkeit, die Zehnerübertragung sowohl vorwärts (Addition und Multiplikation) als auch rückwärts (Subtraktion und Division) mit mechanischen Mitteln zu ermöglichen. Dies gelang ihm durch Erfindung der sogenannten wendeläufigen Arbeitsweise seiner Rechenmaschine.

Stb 149 – Georg Siegmund Adler (1608–1642)

Stb 149

Georg Siegmund Adler (1608–1642)

Laufzeit: 1627–1634

Der in Regensburg geborene Adler wurde im Sommersemester 1627 in Altdorf immatrikuliert, bezog aber schon ein Jahr später die Universität Jena, wo er sich drei Jahre lang dem Jurastudium widmete. Im Sommersemester 1631 war er auf der Straßburger Universität immatrikuliert und Ende August 1633 als Student der Rechte in Tübingen. Als Ratsverwandter seiner Heimatstadt starb er im Alter von 34 Jahren.

Mit einem Zitat aus den Pharsalia (IX,404) des römischen Dichters Lucan trug der Tübinger Professor Wilhelm Schickard sich am 16. September 1633 in Adlers Stammbuch ein: Lætius est, quotiens magno sibi || constat honestum »Das Gute ist um so begehrenswerter, je mehr es kostet«.

Stb 455 – Christian Pehrisch (1610–nach 1662)

Stb 455

Christian Pehrisch (1610–nach 1662)

Laufzeit: 1629–1662

Der aus Grimma im Meißnischen stammende Pehrisch wurde 1630 an der Universität Leipzig immatrikuliert und dort 1638 zum Doktor beider Rechte promoviert. In Leipzig traf er auch den Astronomen Johannes Kepler. Im Jahr 1630 unternahm Kepler eine Reise, die ihn von Sagan in Schlesien über Leipzig, Nürnberg und Regensburg nach Linz führen sollte. Doch am 15. November desselben Jahres verstarb er in Regensburg. Zuvor hatte er sich in Leipzig am 21. Oktober 1630 in Pehrischs Stammbuch eingetragen: Exprobat everso casum; sequiturque ruendo || O fortem ante pericla, ô quam virtutis inanis! || Joannes Keplerus, Imp[eratoris] Cæs[aris] Ferdinandj II. nec non || Illustrissimi Ducis Mechelburgj, Fridlandiæ et Saganj, etc. || Ordinumque Austriæ Super-Anisanæ Mathematicus || Scripsi Lipsiæ XII Cal: Novemb: Anno M.DC.XXX. »Schmähend den Sturz des Gefall’nen; folgt er ihm selber im Sturze: || Tapferkeit ohne Gefahr, o welch eine eitele Tugend!«